Vorsatz
Manchmal wird mir bewusst, wie flüchtig Zeit ist. Mein Körper lebt nur in eine Richtung und altert mit jeder Sekunde, die verstreicht. Also stehe ich vom Schreibtisch auf, bewege mich und besorge mir ein Getränk, bevor ich hier weitermache.
Von den ersten Gehversuchen auf der Schreibmaschine meines Großvaters bis zum Tippen dieser Wörter auf einem Mac sind fast vierzig Jahre vergangen. Jahre, in denen ich an zig Romanprojekten werkte und zwölf von ihnen - recht unterschiedlich in Länge und Ausführung - fertig stellte. Ich verfasste weit über hundert Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen, übte mich in Skizzen, Studien und Entwürfen und probierte Gedichte, Theaterstücke, Filmprojekte und vieles andere.
Ich will ehrlich sein, trinke einen Schluck Kaffee, atme tief durch, bereite mich vor. Das meiste, das ich schrieb, lagert jetzt in Kisten und Ordnern, haptisch und digital, und wird im Dunklen verbleiben, weil es nicht mehr meinen Ansprüchen genügt. Übrig bleibt zum Beispiel das, was ich auf dieser Homepage vorstelle.
Es sind also fast vierzig Jahre gewesen, in denen ich von der Phantastik in den Realismus wechselte und wieder zurück und noch einmal von vorn, bis ich bemerkte, dass ich beides in meinen Texten kombinieren möchte.
Ich bin kein literarisches Genie, ganz im Gegenteil. Alles, was ich glaube, woraus mein schriftstellerisches Können heutzutage besteht - Ideen, Struktur, Duktus, Komposition -, habe ich mir Wort um Wort erarbeitet. Mehr als einmal hörte ich auf zu schreiben, um wieder neu anfangen zu können.
Warum ich schreibe und schreiben muss, das hat sich mir bisher noch nicht erschlossen. Obwohl ich in den knapp vier Jahrzehnten, die meine literarische Reise nun
bereits andauert, öfter versucht habe, eine Antwort darauf zu finden. Ich weiß nur, dass ich nicht aufhören kann. Und damit ist das Schreiben - und alles, was mit diesem Prozess verbunden ist -
die beste Droge, die ich je konsumiert habe.
Nach einem weiteren Schluck Kaffee stelle ich schnell fest, er ist die einzige echte Droge, die mir geblieben ist. Ob Espresso, Cappuccino, Filterkaffee, alles zu seiner Zeit und in gewissen Maßen.
Was ich mir vor über fünfzehn Jahren, während eines drei Tage anhaltenden Fiebers versprochen habe, möchte ich jetzt endlich einhalten. All meine bisherigen
Ausflüge ins literarisch veräußerte Leben (kleinere Lesungen, Self-Publishing und anderes) hinter mir lassend*, will ich mich ganz darauf konzentrieren, Verlagsautor zu werden.
Was wie ein banaler Vorsatz klingt, will ich allein mit dem erarbeiten, was mir zur Verfügung steht. Kein literarisches Umfeld, das meine Kindheit prägte, keine schriftstellerische Ausbildung an einer Universität, keine Beziehungen ins Verlagswesen. Nur ich und meine literarischen Projekte.