Bild ohne Rabe

Heute ist mein treuer Gefährte ausgeflogen. Auch eingebildete Wesen brauchen nämlich ihren Freiraum.

Es ist wie mit den Figuren in meinen Geschichten. Wenn ich zu schreiben beginne, glaube ich zu wissen, wer sie sind und was sie tun werden, aber je länger ich mich mit ihnen befasse, umso mehr wird mir ihre Unabhängigkeit bewusst. Dann nicke ich ihnen zu und lasse sie machen, ob gut, ob böse oder dazwischen. Ganz ohne Bewertung.

 

Mein Rabe wird heute Abend zurückkehren und bei mir bleiben. Wie viele meiner Figuren wieder zu mir zurückkehren, aus aktuellen Projekten, aus abgeschlossenen oder auch zukünftigen. Ein ganzes Land bevölkert meinen Kopf. Da macht ein Rabe aus Plastik keinen Unterschied mehr.

 

Ich wünschte, ich könnte mit ihm reisen. Nur für eine Weile, denn wie bei meinen Geschichten freue ich mich danach immer auf die Realität. Vor allem deshalb, weil ich eigentlich keine fröhlichen Geschichten schreibe.