Neuer Monat, neues Buch

Der nächste Begleiter hat geduldig gewartet, bis er an der Reihe ist. Diesmal mache ich mich auf in unsere düstere Vergangenheit.

Ich bin froh, dass ich eine Liste erstellte über die 12 Bücher, die ich in den 12 Monaten dieses Jahr lesen möchte. Eine Liste befreit mich von der Qual der Wahl, doch konserviert sie gleichzeitig die Vorfreude auf das nächste Werk.

Erst letztes Jahr habe ich die Bücher von Walter Kempowski für mich entdeckt. „Aus großer Zeit“, das erste Buch seiner sogenannten Deutschen Chronik, hat mich in seiner Authentizität und seiner Thematik, aber auch seinem Witz und dem Einfühlungsvermögen in seine Figuren und deren Welten tief beeindruckt und bewegt. Es war eines meiner Highlights von 2023.

Noch während ich daran las, erwarb ich beim Antiquariat meines Vertrauens sämtliche Bände aus Kempowskis Chronik, stilecht im gleichen Design. So spiegelt das Äußere den Inhalt, denn über die insgesamt neun Bände erzählt Kempowski einerseits die Geschichte seiner Familie (begonnen bei den Großeltern) über die beiden Weltkriege, für die Deutschland maßgeblich verantwortlich gewesen war, und seine eigene Geschichte bis in die 50er Jahre.

Darüber hinaus bilden drei dieser Bände Zitatesammlungen von deutschen Einwohnern und wie sie die Zeiten, vor allem das Dritte Reich, erlebt haben. Nicht umsonst wird Kempowski selbst als der große Chronist dieser Zeit bezeichnet. Er hat Abertausende von Aussagen, Interviews usw. zusammengetragen, was ein immenses Archiv unserer eigenen Vergangenheit bildet und noch heute in Rostock besucht werden kann.

Dabei verurteilt er nie, sondern versucht, ganz Schriftsteller, nachzuspüren, wie sich der Alltag dieser „kleinen“ Menschen in den düsteren Zeiten gestaltete. Und das führt unweigerlich auch zu Szenen, die auf das Gemüt schlagen.

Jetzt also lese ich Band Zwei seiner Chronik, „Schöne Aussicht“, in welchem Kempowski dem Leben seiner Eltern zwischen den Kriegen und während des Erstarkens der Nationalsozialisten nachspürt.

Notiz: Die Bezeichnung „Die Deutsche Chronik“ hat Kempowski nicht gefallen. Der Verlag soll sie sich ausgedacht haben. Möge jeder selbst entscheiden, ob er die Reihe so bezeichnen möchte.